Bild von Dornröschen und dem Prinzen

Märchenkessel

Was ist ein Märchen?


  1. Kurz und einfach
  2. Aus dem Volk
  3. Der magische Anfang, das magische Ende
  4. Klare Rollenverteilung
  5. Handlungsorte
  6. Berufe
  7. Bösewichte
  8. Helden und Heldinnen
  9. Die gutherzigen Helfer
  10. Magie
  11. Zauberworte
  12. Sonderbare Gestalten
  13. Tiere
  14. Happy End
  15. Zeitlosigkeit

1. Kurz und einfach

Ein Märchen ist kurz. Es hat eine klare, einfache Sprache und keine komplizierten Schachtelsätze.

Sterne


Zwerg Nase


2. Aus dem Volk

Märchen wurden vom Volk kreiert, das heißt - wenn es kein Kunstmärchen ist - kennen wir den Autoren dieser Geschichte nicht. Sie wurde von vielen Menschen über Jahre geformt und geschmiedet und immer wieder abgeändert und angereichert, bis etwas ganz Besonderes hervorkam, eine Geschichte, angefüllt mit dem kostbaren Erfahrungsschatz, dem großen Reichtum an Lebenswissen und Weisheit vieler Generationen, die immer Gültigkeit haben und bis in die Ewigkeit weiterexistieren wird, solange es Menschen gibt.

Sterne


Zwerg Nase


3. Der magische Anfang, das magische Ende

Wer kennt ihn nicht, den "magischen" Anfang und das "magische" Ende eines (fast) jeden Märchens?

Es war einmal..., so fängt es jedes Mal an und wie hört es auf? Richtig. Mit Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Sterne


Zwerg Nase

4. Klare Rollenverteilung

Die Personen, die in einem Märchen auftauchen, können sofort in Gut und Böse eingeteilt werden, und somit können ihre Rollen in der Geschichte klar unterschieden werden.

Sterne


Zwerg Nase


5. Handlungsorte

Ein Märchen spielt auf Wiesen und in Wäldern, auf Bergen und Schlössern, auf Burgen und in Türmen, am Meer, an Flüssen, Seen, Teichen und Quellen, an und in Brunnen, in Höhlen, Einöden, Gebirgen und weiß Teufels Großmutter, wo. Die Natur spielt eine große Rolle.

Sterne


Zwerg Nase


6. Berufe

Da Märchen schon sehr alt sind und von Generation zu Generation weitergetragen wurden (damals noch mündlich, bevor sie von den Brüdern Grimm gesammelt und niedergeschrieben wurden), wimmelt es in den Märchen auch nur so vor Bauersleuten und Handwerkern (Müller, Schuster, Schneider, Köhler, Töpfer, Schmied, Holzhauer...).

Stiefel

Und natürlich kommen in den Geschichten auch noch keine Autos, Mikrowellen, Elektroherde, Waschmaschinen, Laptops und Smartphones vor, und nirgendwo ist die Rede von IT-Spezialisten, Stewardessen oder youtubern.

Krone

Wenn es auf der einen Seite die arme Bevölkerung gibt, die auf dem Land und in der Stadt ihr Brot verdient, so wohnen in den Schlössern auch die reichen und mächtigen Könige, die Prinzen und Prinzessinnen und die Grafen, ein Stand, der hierzulande in Deutschland vor circa hundert Jahren abgeschafft wurde.

Sterne

Doch gab es sie davor eben alle, darum kommen sie in den Märchen auch vor. Sie sind keine bloße Erfindung, sondern ein Spiegel der damaligen, jahrhunderte-, jahrtausendealten Wirklichkeit, die dort erzählt wird.


Zwerg Nase


7. Bösewichte

In Märchen kommen böse, böse Gestalten vor: grantige Zauberer, gekränkte Feen und fiese Hexen, die Böses, Böses im Schilde führen und den Helden oder den Heldinnen der Geschichte schaden wollen, weil sie neidisch, (hab)gierig oder weiß der Teufel was sind.

Oftmals sind Stiefmütter auch gleichzeitig Hexen wie in Brüderchen und Schwesterchen.

Schatztruhe

Auch Brüder können böse sein. In den Märchen werden hin und wieder Konkurrenz-Geschichten erzählt, besonders wenn es um die Liebe des Vaters und um das Erbe geht wie in "Die drei Federn", "Der goldene Vogel" oder "Das Wasser des Lebens".


Zwerg Nase


8. Helden und Heldinnen

Sterne

Die Helden oder Heldinnen sind die Hauptperson der Geschichte. Am Anfang der Geschichte sind sie oft die "Loser". Nichts wird ihnen zugetraut. Sie werden "Dummling" oder "Aschenputtel" genannt, sind oftmals die Jüngsten der Familie oder unter den Gesellen, die noch "grün hinter den Ohren sind" und aus denen eh nichts wird, weil bei ihnen "Hopfen und Malz verloren ist". Sie müssen sich aus erbärmlichen, untragbaren Verhältnissen hocharbeiten und sich weiterentwickeln, um am Ende glücklich zu sein und mit Liebe und Reichtum gesegnet zu werden.


Frosch

Oft heiraten sie, werden unverhofft König und Königin und erhalten ein Königreich. Auf ihrem Weg zum Glück müssen sie oftmals sehr viel erdulden. Sie sind großzügig und helfen anderen. Sie lernen etwas Neues dazu. Sie müssen Aufgaben lösen, einen Ort erreichen, einen Gegenstand oder Trank holen, gegen einen Drachen kämpfen, in die Höhle des Löwen steigen und das Böse besiegen, um am Ende gestärkt und reich beschenkt aus allem hervorzugehen.


Zwerg Nase


9. Die gutherzigen Helfer

Herzen

In einem Märchen muss es natürlich auch Wesen geben, die dem Helden und der Heldin zur Seite stehen und ihn oder sie im Kampf gegen das Böse ausstatten. Das kann eine gute Fee sein wie in "Dornröschen" (hundertjähriger Schlaf statt Tod), ein Tier wie zum Beispiel die Ameisen, die unlösbare Aufgaben für den Helden übernehmen und tausende von verstreuten Perlen oder Reiskörner aufsammeln ("Die Bienenkönigin", "Die weiße Schlange"), ein Kater, der einem armen Müllerssohn zu einem Königreich verhilft ("Der gestiefelte Kater") oder ein Riese, der einen auf der Schulter tausende von Meilen weit trägt ("Die Rabe").


Krug mit Wasser

Aber auch der Aufenthalt in einer heiligen Kirche kann in Notlagen weiterhelfen, wenn man zum Beispiel Becher, die auf dem Altar stehen, austrinkt und so stark wird, dass man plötzlich (durch "Gottes Hilfe") ein unsagbar schweres Schwert heben kann, so geschehen in "Die zwei Brüder". Auch der Teufel kann dem Helden und der Heldin in Notlagen zur Seite stehen, wenngleich bei ihm, der stets auf Seelenjagd ist, nicht von "Gutherzigkeit" die Rede sein kann ("Der Bärenhäuter", "Rumpelstilzchen").


Zwerg Nase


10. Magie

Sterne

Märchen sind voller Magie. Nicht nur Zauberer und Hexen und Feen treiben in den Geschichten ihr Unwesen. Auch magische Gegenstände laufen einem über den Weg. Da gibt es Hüte oder Zaubermäntel, mit denen man sich hinwünschen kann, wohin man will wie in "Die Kristallkugel" oder "Der Krautesel". Es soll auch Mäntel geben, mit denen man unsichtbar werden kann, wenn man sie sich umhängt, so geschehen in "Die zertanzten Schuhe" oder "Die Rabe".


Hut

Quellen verwandeln Menschen in Tiere (Brüderchen und Schwesterchen), "das Wasser des Lebens" vermag es einen unheilbaren Kranken wieder gesund zu machen, Schlangenblätter können einen Toten wieder zum Leben erwecken (Die drei Schlangenblätter).


Wellen

Eine rote Blume verleiht seinem Träger Schutz gegen schwarze Magie ("Jorinde und Joringel"), mit dem Zauberpferd kann man überall hinreiten, auch zu Orten, die unerreichbar scheinen ("Die Rabe"), ein Zauberspiegel sagt einem unverblümt, ob man die Schönste ist oder eben nicht ("Schneewittchen").


rote Blume

Ein Esel speit und kackt Gold ("Tischlein deck dich") und auf der Flucht hinter sich geworfene Bürsten oder Kämme werden zu riesigen, scharfkantigen Kammgebirgen, die die Verfolgerin abhängen ("Die Nixe im Brunnen").


eine Schatztruhe

In "Das blaue Licht" erscheint ein Männlein, wenn man sich eine Pfeife ansteckt genauso wie in Aladdin ein Geist aus der Wunderlampe auftaucht, wenn man an der Lampe reibt, und das Männlein und der Geist erfüllen seinem Meister jeden Wunsch. Ein Feuerzeug macht seinen Besitzer reich und führt einen, sobald man es anzündet, zu Truhen mit Kupfer, Silber und Gold. Wie herrlich.


Flakon mit Gift

Aber nicht nur Gegenständen liegt ein Zauber inne. Auch dem Essen. Denn wenn man Herz und Leber von einem Goldvogel isst, findet man jeden Morgen, wenn man aufwacht, ein Goldstück unter seinem Kopfkissen ("Der Krautesel", "Die zwei Brüder"). Doch nicht nur die Innereien von Tieren können Wunder wirken.

Obst, Gemüse und Kräuter verzaubern Menschen oder haben Macht über sie, so dass sie lange (Esels-)Ohren oder unansehnliche Nasen bekommen ("Der kleine Muck", "Der Krautesel") oder gar nicht mehr genug davon bekommen können, als wäre es Rauschgift ("Rapunzel") oder sich in Zwerge mit krummem Buckel und langer Nase verwandeln, wenn sie eine köstliche Suppe essen, in die das Kräutlein "Nies-mit-Lust" gerieben wurde ("Zwerg Nase").


Zwerg Nase


11. Zauberworte

Nicht nur Gegenstände und Tränke haben magische Kräfte. Auch das gesprochene Wort hat eine große Macht. So gibt es zu manch einem Gegenstand, den der Held oder die Heldin erlangt, auch eine Zauberformel, die laut ausgesprochen werden muss, damit der Gegenstand seine Aufgabe erfüllt oder seine Wirkung zeigt.

"Töpfchen, koche", "Töpfchen, steh!" (Der süße Brei), "Tischlein, deck dich", "Knüppel, aus dem Sack" oder "Bricklebrit" sind solche Zaubersprüche.


Wellen

"Mutabor", ruft der Kalif, als er seinen Tabak aus der Schnupftabaksdose schnupft und sich mit seinem Freund Mansor in einen Storch verwandelt (Kalif Storch).


ein Ring

Sprache kann auch gefährlich sein.

"Bitte ein paar Jahre gar nicht mehr sprechen", wird in "Die 6 Schwäne" (oder waren es 12?) gefordert, "denn sonst kannst du deine Brüder nicht erlösen."

Feder

"Und bitte bloß nicht lachen, sonst kannst du dich nicht mehr in einen Menschen zurückverwandeln", wird dem Kalifen vor seinem Abenteuer eingebleut (Kalif Storch).


Zwerg Nase


12. Sonderbare Gestalten

In den Märchen begegnen uns nicht nur sehr kleine, menschenähnliche Wesen, es gibt auch riesige, furchteinflößende, starke Gestalten. Auf der einen Seite bevölkern die Zwerge, Däumlinge und kleinen, grauen Männlein die Geschichten, auf der anderen Seite stampfen die Riesen durch die Landschaft.


Baum

Zwerge können einerseits sehr gutherzig sein wie die 7 Zwerge in "Schneewittchen". Andererseits gibt es auch die grantigen, griesgrämigen, selbstsüchtigen, habgierigen Vertreter wie in "Schneeweißchen und Rosenrot".


Wellen

Aber denken wir auch an die kleinen grauen Männlein, die plötzlich im Wald oder im Gebirge auftauchen können und oftmals mit magischen Fähigkeiten ausgestattet sind ("Der Gaudieb und sein Lehrmeister"). Wer freundlich zu ihnen ist, der wird belohnt. Wer jedoch nicht das tut, was das Männchen will, der wird konsequent bestraft wie in "Die goldene Gans" oder "Das Wasser des Lebens."


Schatztruhe

Zu den kleinen Wesen gesellen sich die starken, oft männlichen Kerle, die Riesen, die oftmals als sehr "dumm" dargestellt werden. "Das tapfere Schneiderlein" besiegt sie durch seine List. In "Die Rabe" sind sie sehr gutherzig und helfen dem Mann, das unerreichbare goldene Schloss von Stromberg und damit seine Geliebte, "Die Rabe" zu erreichen. In "Die Kristallkugel" streiten sich zwei Riesen um einen Zauberhut, und in "Der Krautesel" sind sie sehr furchteinflößend, wohnen auf einem Gebirge und sollen Menschen auffressen.


Zwerg Nase


13. Tiere

Wie schon beschrieben, werden die Tiere oftmals zu gutherzigen Helfern, aber meist erst, nachdem der Held und die Heldin ihnen zuvor geholfen hat (oft aus einer Notlage heraus). Wenn der Held und die Heldin dann selbst im Verlauf der Geschichte in eine ausweglose Situation gerät, stehen diese Tiere den Protagonisten im Kampf gegen das Böse hilfreich zur Seite, indem sie eine der schwierigen oder unauflösbaren Aufgaben für den Helden, die Heldin auf sich nehmen.


Spinne

Die Raben holen dem Helden der Geschichte "den Apfel vom Baum des Lebens" (Die weiße Schlange), Fische oder Enten tauchen in tiefsten Gewässern nach goldenen Ringen oder Schlüsseln (die Bienenkönigin, die weiße Schlange).


Wellen

Ein weiteres märchenhaftes Motiv und Merkmal der Tiere besteht darin, dass sie sprechen können und die Sprache der Menschen verstehen. Der Held und die Heldin kann seinerseits sich mit den Tieren unterhalten und die Sprache der Tiere verstehen.


Zwerg Nase


14. Happy End

Die beliebtesten Märchen haben ein Happy End wie "Aschenputtel", "Dornröschen" oder "Schneewittchen". Der Held und die Heldin haben gelitten, geduldet und gekämpft bis zum Schluss und sich ihren Lohn wahrlich verdient. Wir wollen, dass Märchen für den Helden und die Heldin der Geschichte gut ausgehen. Und in den meisten Märchen ist das auch so.


Herzen

Es gibt aber auch Märchen, in denen der Held (die Heldin) der Geschichte stirbt oder in denen die Figuren der Geschichte nicht wirklich glücklich werden oder irgendetwas verlieren, so dass das Ende doch ziemlich wehmütig ist ("Die kleine Seejungfrau", "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", "Die Nelke", "Der singende Knochen", "Der arme Junge im Grab" oder "Der Gevatter Tod". Diese Märchen sind dann nicht bei allen so wahnsinnig beliebt geschweige denn, dass sie überhaupt bekannt geworden sind.


Sterne

Denn wenn man schon im eigenen Leben "gebeutelt" wird, was wünscht man sich da für den Helden und für die Heldin der Geschichte nichts sehnlicher als ein "Happy End", oder? Denn letztendlich werden wir doch - wenn wir diese Geschichten lesen - selbst zu diesen Helden oder Heldinnen. ;-)


Zwerg Nase

15. Zeitlosigkeit

Warum sind Märchen zeitlos? Sie behandeln Themen, Stoffe, die zeitlos sind. Es wird immer Gut und Böse geben. Es wird immer Konflikte zwischen Menschen geben, die oft Thema in den Märchen sind. Menschen werden immer nach Glück, Liebe und Reichtum streben und sich ihr Glück gegen alle Fallstricke und Steine, die ihnen von anderen in den Weg gelegt werden, erkämpfen. All dies ist Märchenstoff. Was also gibt es Zeitloseres oder besser gesagt "Aktuelleres" als Märchen? Sie werden niemals aus dem Kulturgut der Menschen verschwinden.

Sterne

Und sollte jemand behaupten, Märchen seien "langweilig", "veraltet" oder "etwas für Kinder", der irrt gewaltig. Denn ohne, dass er es weiß, konsumiert er Märchen, nur in anderer Form. Es mag sein, dass Märchen vielleicht von vielen Eltern nicht mehr vorgelesen werden und viele Kinder und vielleicht sogar Erwachsene die gesammelten Märchen der Grimms oder auch die Kunstmärchen von Hans Christian Andersen oder die Märchen von Wilhelm Hauff nicht mehr kennen. Doch tauchen genau diese Geschichten anders verarbeitet in Literatur, Theaterstücken und in beliebten Kinofilmen oder Fernsehserien auf, ohne, dass einer´s weiß. Märchen sind ewig.



Wenn du auf das runde Märchen-Kessel-Bild klickst, gelangst du immer zur Startseite zurück.